dom vibrations

dom vibrations

das ist eine sensation
der kölner dom mit vibration
betrieben von den straßenbahnen
wenn sie durch den tunnel fahren

was die einen amüsiert
hat die anderen schockiert
auch den kirchennavigator
stört der riesendomvibrator

man versucht nun seinetwegen
den mechanismus still zu legen
schienen kriegen eine dämmung
vibrationen eine hemmung
in der domstadt soll im dunkeln
der dom nicht mehr heimlich schunkeln

das bankgeheimnis von solingen

das bankgeheimnis von solingen

in solingen in einer bank
war die technik reichlich krank
das heißt auf sie war verlass
sie streikte ohne unterlass

so auch eines schönen tages
keiner wusste woran lag es
als alarmglocken auslösten
wachleute die scheinbar dösten

im fernen frankfurt ganz zentral
vermuteten gleich überfall
bankkameras zeigten maskierte
worauf der letzte auch kapierte

schnell muss hier gehandelt werden
um niemanden zu gefährden
die polizei wurde verständigt
kriegt sie die täter denn gebändigt

zweifel werden schnell vernommen
alsbald auch reporter kommen
man riegelt den tatort ab
bringt ein sek auf trab

das stürmt dann die geschäftsstelle
und stellt fest in aller schnelle
nichts ist hier mit überfall
nein es war nur karneval

den mitarbeitern bunt verkleidet
ist karneval damit verleidet
drei die als panzerknacker gingen
will der humor nicht mehr gelingen
ta-tü-ta-ta klang's eben noch
tä-tä-tä-tä heißt's nun jedoch

der puppenprinz

der puppenprinz

in heiligenhaus ist vakant
die prinzenstelle jupp genannt
der auserwählte nämlich schwankt
v
or karneval ist er erkrankt

daher muss man ersatz besorgen
wo kann man sich ein mannsbild borgen
der hilferuf bleibt unerhört
was die festivitäten stört

so bastelt man schnell eine puppe
dem wahren prinzen ist das schnuppe
und weil die einen namen braucht
nennt man sie jupp wie einst durchlaucht

und der ersatzprinz wird beliebt
weil er die ruhige kugel schiebt
er ist ein typ der stillen sorte
und gibt auch keine widerworte

fettnäpfchen überlässt er dritten
man muss ihn nicht zur beichte bitten
schuf man den prinzen auch recht eilig
so wirkt er nunmehr ja fast heilig

heiligenhaus gut zu gesicht
steht puppenprinz man vermisst nicht
mehr denjenigen aus fleisch und blut
so endet die geschichte gut

wer in die kirche geht der zündet
die kerze an weil er nun findet
kein anderer kann's besser machen
als unser jupp mit seinem lachen

es ist ihm ins gesicht gemalt
und es macht sich auch gut bezahlt
die sitzungen sind voll wie nie
die jecken erzählen danach wie

der prinz in ihre richtung blickte
und ihnen auch noch nett zunickte
der puppenprinz hat sich bewährt
den man in der session verehrt

schließlich zieht man das resümee
altjupp bleibt auf dem kanapee
der neue der muss wieder ran
dem karneval hat's gut getan

der faule bob

es war einmal der faule bob
er hatte einen coolen job
und damit hat er sich saniert
den job nämlich globalisiert

die firma in amerika
hielt ihn für den programmierstar
hat hunderttausende verdient
und still in sich hineingegrient

denn heimlich outsourcte der bob
den tollen hochbezahlten job
in china ließ er codes aushecken
das tat er ohne anzuecken

gab anteilig dafür den lohn
und hatte selbst ganz viel davon
auftragsstress das lag ihm fern
stattdessen sah er videos gern

und surfte in der arbeitszeit
stets zur vollsten zufriedenheit
krank wurde er auch nie
sag mir bitte ohne stress wie

bob bekannt als das arbeitstier
wurde bald best man of the year
so könnte es noch jahre gehen
gab es da nicht ein versehen

denn seine firma stellte fest
dass wer wen an den server lässt
die china-connection flog auf
und kurzerhand bob auch darauf

jetzt lässt die firma gleich entwickeln
software in china billig frickeln
bobs system hatte zwar lücken
dennoch kann die idee entzücken

vielleicht wär für deutschlands dichter
eine lösung auch nicht schlichter
gleich in china dichten lassen
und bei uns klingeln die kassen

ich such mir jetzt einen host
und als writer einen ghost
der mir gern druckreif verfasst
was mir an der welt nicht passt

ich kassier das honorar
u
nd den ruhm gleich auch in bar
und die spesen nicht so teuer
setze ich ab von der steuer

das blumenkübel-massaker von neuenkirchen

das blumenkübel-massaker von neuenkirchen

ein blumentopf ist umgefallen
bestürzung löst das aus bei allen
es war ein größeres exemplar
nichts ist seitdem mehr wie es war

er stand vorm altenheim zur zierde
wohin es dann den täter führte
der ganze stift um fassung ringt
noch weiß niemand ob das gelingt

die zeitung schreibt einen bericht
aufrüttelnd doch genauso schlicht
und zieht darin parallelen
zu weiteren vandalenfällen

am gleichen abend fielen mülltonnen
der täter war auch hier entronnen
von dr. göbbels abwärts die straße
derselbe täter wie bei der vase

pflegedienstleiter westermann
erinnert sich so gut er kann
während der blumenkübel leckt
die kripo ermittelt fortan verdeckt

sondereinheit kübel ermittelt
wird nun in der presse getitelt
im internet wächst die empörung
man vermutet eine verschwörung

tragisch den kübel konnt niemand beizeiten
klagt die gemeinde sterbebegleiten
es war wie es oft ist überall
ein unerwarteter zwischenfall

in einem video hat sich bekannt
die gruppe freedom the flowers genannt
die kanzlerin bricht ihren urlaub ab
und fotografiert sich vorm kübelgrab

inzwischen gelingt bp mitnichten
das kübelleck doch abzudichten
noch immer an der unglücksstelle
tritt erde aus in aller schnelle

obama fordert dass doch sollen
nach der tat auch töpfe rollen
der saatschutz der wird eingeschaltet
und die krise wirksam verwaltet

im amiland ist man perplex
und spricht von blumenkübel-sex
hält das für eine german position
in meinen augen impossible mission

neil armstrong will die täter ächten
sagt er die blumenkübel schächten
für einen menschen ein kleiner tritt
doch für die menschheit ein großer bullshit

auch politiker schweigen nicht
blumenpflege im unterrich
tfordert einer geradeheraus
gebt ihm einen blumenstrauß

das datum hat sich tief eingebrannt
in die annalen eight third genannt
in diesem verregneten sommer regte
sich was die welt wirklich bewegte

vor der em

vor der em

frisch gemäht liegt da der rasen
duftend nach den grasmähgasen
blauer himmel stiftet an
zum elfer raus das sind elf mann

die schuhe zirkeln fein die bälle
sie sind noch sauber wie geleckt
beine bewegliche gestelle
in denen elegantes steckt

ein blinzeln gegen sonnenlicht
stirnen ziehen sich in falten
der trainer erklärt seine sicht
dann traben seine elf gestalten

spielzüge laufen wie am schnürchen
kein gegner der sie dabei stört
die ausgefuchsten spielfigürchen
wissen dass man auf trainer hört

noch ist der rasen nur idylle
nicht bittere realität
der ungebrochene siegeswille
lässt gelten dass nur sieg ansteht

vor allen spielen ist grün-weiß
der rasenplatz unangetastet
grätschen verwunden nicht voll schweiß
ist auch noch niemand ausgerastet

noch herrscht die angespannte ruhe
hoffen und sorge in der schwebe
medaillen liegen in der truhe
und warten auf ein brustgewebe

noch sticht die sonne nur den einen
der sich zu lange in ihr hält
noch ist der fan mit sich im reinen
sein team das beste in der welt

noch laufen nur in den gedanken
die filme ab von sieg und ruhm
noch ist kein favorit am wanken
im dutzendfachen telezoom

noch weiß sich jeder zu benehmen
noch spielt jeder den strahlemann
an fragen kommen die bequemen
und jeder weiß was er so kann

alles ist so hübsch angerichtet
wie ein buffet vor allen gästen
noch wird auf niemanden verzichtet
die trikots sind weiß wie die westen

noch ist niemand zu überzeugen
dass man doch keinen fehler machte
noch muss man niemanden verleugnen
der doch nur sagte was er dachte

noch fragt niemand nach konsequenzen
das ist genauso fehl am platz
wie üblich andere spirenzchen
na gut beginnt auch noch kein satz

alles ist möglich viel zu hoffen
spekulation ist das geschäft
vor allem ist das ende offen
es wär nicht hund was nicht gern kläfft

vor enttäuschung und erfüllung
kommt noch manche blitzenthüllung
bis wir uns dann achtbar schlagen
kommen noch so manche fragen

wie läuft denn so das spielgeschehen
welches system liegt in den wehen
der trainer spielt er doppelsechs
und im hotel gibts da auch sex

wer von den hübschen spielerfrauen
ist wem denn früher abgehauen
oder war es doch umgekehrt
wie sehr das an den nerven zehrt

gibt es für den fall der fälle
prämien und im training bälle
wer ist wohl noch nicht ganz fit
und wer singt die hymne mit

während wir auf all das warten
stehen pfosten wie standarten
hängt die latte äußerst hoch
und wir kennen nur das noch
vorweg nimmt doch kein ergebnis
dieses fiebernde erlebnis
nach der vorrunde

allabendlich fußball bereit
sind wir doch jetzt ist zwischenzeit
die flaggen ruhen an den masten
fast ist's wie ostern denn wir fasten

wir hatten uns hineingefunden
in dies turnier in den vorrunden
begegnungen ganz zum begeistern
aufgaben die manche gut meistern

fehlentscheide tore paraden
muskelmänner nackte waden
wir wussten auch die spielernamen
woher sie warum wohin kamen

wir kannten alle randgeschichten
und müssen darauf halb verzichten
brutal wurde nun aussortiert
die hälfte der teams ist rasiert

und wenn abends die kiste flimmert
gar manche männerbrust leis wimmert
denn statt grün-weiß und sattem rasen
muss man kochsendungen abgrasen

den zauber der rasanten spiele
sucht man vergebens und so viele
kehren zurück zu ihren sorgen
der spielreiz hatte sie verborgen

jeden abend trikottausch
erlebten wir fast wie im rausch
körper die voll schweiss und regen
sich zum ausgang fortbewegen

niemand schrie da ist genug
doch nun sind wir auf entzug
dem eignen team droht der ko
in der vorrunde war?s nicht so

nun wird schwer das herz bedrängt
wer verliert ist abgehängt
jetzt zittern wir ums weiterkommen
das hat uns immer mitgenommen

was machen wir wenn abend droht
niemand läuft auf im abendrot
in demut sehn wir fernsehlücken
wie wollen wir die überbrücken

der spiegel an adrenalin
versickert nutztlos im urin
ach auch diese meisterschaft
hat sich schon bald abgeschafft

hat getrennt die spreu vom weizen
wollte nicht mit klasse geizen
nach dem spiel ist vor dem spiel
hilft uns da auch nicht mehr viel

die mutter aller fußballregeln
müssen wir nun neu auspegeln
das schlimmste aber ist oh graus
irgendwann ist die em aus
was wär

was wär wenn wir gewonnen hätten
wir wären doch die größten wetten
selbst die klitzekleinsten gestalten
würden sich für die größten halten

was wär ohne diesen verliererfrust
wir wären nonstop durch die stadt gecruist
der tag hätte anders angefangen
wir fühlten uns nicht so abgehangen

wir hätten gelacht und uns gefreut
viel getrunken und es dann bereut
jetzt gehen wir in uns und suchen ersatz
wann ist das nächste spiel auf dem platz

jetzt bloß nicht lange trübsal blasen
die nächste entscheidung fällt auf dem rasen
kneift jetzt bloß den schwanz nicht ein
verlierer soll man gewesen sein
liebe im sturm

ein stürmer war verschossen
in ein blümlein zart
er traf sonst unverdrossen
und sein schuss traf hart

doch dann schoss er den elfer
das blümlein stand  im wege
und so verschoss er selber
in verschossenheit daneben

das blümlein sah es ungerührt
und war nicht mal geknickt
da hat er stürmer dann gespürt
in was er sich verstrickt

es gellten pfiffe durch das rund
die pfiffe galten ihm
doch unser blümlein blieb gesund
dem stürmer ward verziehen
kubistisches schauspiel

im oval
rollt eine kugel
über das rechteck
in ein viereck
fünfzigtausend
kaum beschreibbare
mehrgliedrige festkörper
leeren sich mit brüllen
das alles liefert eine runde linse
milliardenfach in häusliche kuben



runde romantik

ein blümelein auf grünem rasen
wär gern kulisse für die hasen
doch platsch es fühlt sich matt
blümlein ist plözlich platt
es fühlt sich wie besoffen
ein ball hat es getroffen
dazu treten noch stollenpaare
dem blümlein sträuben sich die haare
romantik die war nur ein trick
denn jetzt regiert der fußballkick

hirsch heißt er

jägerlatein

in der warmen jägerhütte
sitzt der hirsch das ist so sitte
erzählt seinen jagdkollegen
wie hirsche die welt bewegen

ist die pause dann vorbei
lässt er zählen eins zwei drei
seine jäger so bis zehn
und sie lassen ihn dann gehen

ihm den vorsprung zu gewähren
ist frage von jägerehren
danach beginnt neu die hatz
nach dem hirschen satz für satz

wird er in der jägerhütte
nächstes mal nach alter sitte
das berichten jagdkollegen
wie hirsche die welt bewegen

platzhirsch

ein hirsch geht hin ein hirsch geht her
der hirsch geht ständig kreuz und quer
per heißt der hirsch und hieß er hein
dann würd das auch nicht anders sein

der hirsch geht hin der hirsch geht her
und stellt sich ihm mal jemand quer
dann platzt der hirsch das ist bekannt
er wird daher platzhirsch genannt

arschgeweih

der hirsch der hat ein arschgeweih
der hirschkuh ist das einerlei
das arschgeweih das stammte
als ein rivale ihn rammte
während sie um die hirschkuh stritten
statt sie um ihre hand zu bitten



hegehirsch

auch der hirsch der ist ein heger
kümmert sich um unsere jäger
zeigt sich auf der lichtung brav
reißt den waidmann aus dem schlaf
dass er nicht vom hochsitz fällt
das ist hirschgerechte welt

elchtest

der hirsch nahm an dem elchtest teil
bestand ihn ohne schaden
stand die flasche wodka weil
man festband hals und waden



edelhirsch

der hirsch erreicht die hochkultur
spricht er von liebe als l'amour
wenn er dann noch speist à la carte
ist das die feinste lebensart
nur eines wird das bild dann stören
zeigt auf gemälden er noch röhren

 

 

hirschgeweih und schädeldecke

hirschgeweih und schädeldecke
hängen in der kneipenecke
drunter sitzen jäger rauchen
ausgestopfte marder fauchen

hans erzählt vom letzten schuss
machte so mit helga schluss
doch trophäen hat er nicht
beweislos schließt sein bericht

hirschgeweih und schädeldecke
hängen in der kneipenecke
drunter sitzen jäger rauchen
ausgestopft würd helga fauchen

tausendsassa tausendfuß

tausendsassa tausendfuß

ein tausendfüßler - dies ein wort
ist nützlich an so manchem ort
erst recht auf einem fußballfeld
deswegen wird er aufgestellt

nicht etwa um unter der erde
zu sorgen dass sie locker werde
und der rasen besser sprieße
wie die 1a fußballwiese

nein er sollte fußball spielen
tor um tor dabei erzielen
ganz so einfach gings dann nicht
es tagte noch das sportgericht

dort debattierte man statuten
sei denen das denn zuzumuten
sei das mit diesen zu vereinen
ein wesen mit so vielen beinen

doch dann hat der dachverband
auch tausendfuß talent erkannt
endlich kriegte er den bogen
und hat sorgsam abgewogen

die entscheidung lautet klar
mit tausendfuß das geht schon klar
die aufstellung ist nun erlaubt
wer hätte das vorher geglaubt

und sein verein dens wurmen wollte
dass tausendfuß nicht spielen sollte
schickt nun aufs feld den superwurm
und stellt ihn auf gleich für den sturm
urvieh

um die mannschaft zu erneuern
brauchts ideen die befeuern
fehlts der mannschaft an esprit
braucht gewiss sie ein urvieh

fehlts der mannschaft gar an beinen
braucht sie diesen so wie keinen
durchleidet die mannschaft krisen
braucht sie keinen so wie diesen

tausendfüßlers allzweckwaffen
werden aufstieg titel schaffen
größtes talent in dem land
wird er deshalb schon genannt

talentscouts auf ihren listen
hatten ihn nicht wo sie müssten
und wer hat ihn nun entdeckt
jeder er hats nur versteckt

tausendfüßler heißt der star
der nur zu entdecken war
zum gewinnen nicht zum grasen
läuft er über grünen rasen

nacktschnecken

nacktschnecken

die schnecken liegen nackt bereit
für vögel und auch enten
sie lassen sich damit viel zeit
wie auch den kontrahenten

sie tragen dazu orangene westen
damit sie erkannt werden von den gästen
sie liegen bereit auf den wegen
im sommer nach diesem regen

warum nur dieses ungeschick
gibt ihnen das den letzten kick
oder sinds wesen die ums verrecken
beachtet werden wollen die schnecken

widderworte

in einem widder liebe keimte
bis ihn dann die dame leimte
er gestand ihr liebe forte

doch sie gab nur widderworte
und erwidderte sie nicht
daher endet dies gedicht



widderbelebung

dem widder fiel alltag zur last
er wünschte sich er wär nur gast
in diesem ganzen einerlei
ach wäre er doch davon frei

bis er feststellte den alltag
kann er gestalten wie er mag
zumindest in sehr vielen teilen
er sollte sich damit beeilen
denn alltag ist doch ohne ihn
nicht existent als disziplin

hasenfisch

die jäger finden die hasen
zum schießen
doch wenn sie sie jagen
müssen sie niesen

die hasen haben unentwegt
wie jäger flinten parfüm angelegt
und dieses parfüm duftet nach fisch
dagegen sind jäger stark allergisch

das markenparfüm erfüllt seinen zweck
beim niesen sind die hasen weg
ein angler ist da resistent
weil seine nase den fischduft kennt

allerdings wenn man mich so fragt
sieht man angler selten auf hasenjagd
und so müssen sich häsleins ruten
vor denen der angler gar nicht sputen

schlemmerfisch

der schlemmerfisch kommt von weit her
wahrscheinlich aus dem schlemmermeer
er residiert in aluschalen
und ist nachbar von den aalen

die in pferdeköpfen hausen
das sind doch kulturbanausen
günter grass hat sie beschrieben
ich weiß nicht ob sie das lieben

schlemmerfisch hat braune kruste
weil er sich so schminken musste
sein make up ist die panade
roh schmeckt sie nur etwas fade

verbraucherfreundlich wie er ist
hat er pfeffer in der tüte
bei sich nur dass man sich hüte
nicht zu viel über ihn gießt

für die ganz besonders doofen
hat er sogar einen ofen
bei sich ohne auszupacken
kann man ihn dann sogleich backen

wohnmobil

eine schnecke will schnell heim
mit gehäuse und viel schleim
offenbar ist sie verschnupft
niemand der den schleim abtupft

schnecklein du hast doch bei dir
dein zuhause bleib doch hier
mach es dir doch hier adrett
in dem schneckenhäuschenbett

und den schnupfen den kurier
dort am besten wohnhaustier
überall ist doch dein heim
spar die mühe und den schleim

doch der schnecke standortbindung
endet an der innenwindung
und so trägt ihr wohnmobil
sie zu einem neuen ziel
neue aussicht vom balkon
daher schleppt sie sich davon

hundestuhl

hundestuhl

ein hundestuhl der ist schon schlimm
ich tret hinein und zeige grimm

auf einem gang sah ich den stuhl
mit hund darauf das fand ich cool

so wie der hund den stuhl benutzt
war nirgendwo etwas verschmutzt

 

die fliege und der kommissar

die fliege und der kommissar

der kommissar wie auch die fliege
tragen dieselben züge
vom fingerabdruck leben sie
es ist fast wie eine manie
in ihrem tagesgefüge

die fliege leckt den schweiß
besonders in der küche
gern denn sie weiß
sie hat nicht nur gerüche

auch spuren sind daran
von feinsten leckereien
sie ist sehr angetan
wir wollens ihr verzeihen

der kommissar sieht später
auch gern was hinterlassen
so alles übeltäter
dann kriegt er sie zu fassen

ein fingerabdruck weist
sie aus in fahndungslisten
er weiß dann wie wer heißt
und kann ihn überlisten

der kommissar daher
steckt hände in die taschen
sieht er die fliege sehr
am fingerabdruck naschen

da wird er immer stiller
beileibe nicht zum killer
er weiß wonach sie fahndet
und hat es nicht geahndet

er jagt sie auch nicht fort
von ihrem naschort
er weiß wofür sie lebt
dass sie an spuren klebt

geht ihnen auf den grund
wenn auch mit ihrem mund
er ist wie sie versessen
nur wird er das nicht essen

das ist was er nicht neidet
ihr was ihn unterscheidet
so haben langes leben
bei ihm die fliegen eben
LÄNDEREIEN


ital-jena

meistenteils italiener
kommen sehr selten nach jena
nur in der pizzeria
jammert wer o mamma mia
er wäre lieber in rom
doch jena kommt nicht davon



costa braver

costa verkauft weiße westen
so geht es ihm am besten
costa ist gar nicht so brav
eher ein schwarzes schaf
wär wirklich costa braver
wär er nicht an der costa brava



war schau

eines tages in warschau
mache ich fotos wie sau
hinterher sag ich oh mann
ich war in warschau schau an



tür-kai

türsteher heißen nicht kai
außer in der türkei
dort hat man auch manchen ken
schon als tür-ken gesehen



land nieder

als in den niederlanden
leute kein land mehr fanden
nahmen sie es aus dem meer
hol land heißt es daher



schottern

ist die straße arg verlottert
ists der schotte der gern schottert
wirds noch schlimmer wie ein schwab
schottet er die straße ab
spart ausbesserungsmaßnahmen
die ihn doch nur teurer kamen



dufte griechen

meistenteils die griechen
können sich ganz gut riechen
selten hat jemand gerufen
der andere solle verduften



sparschwaben

schwalben in schwabenlanden
kommt leicht das l abhanden
bald sparen sies wie die schwaben
die das l nicht mehr haben

schwaben in schwalbenanden
sind die das l nicht mehr fanden
es war wie verflogen
ohne f heißt es verlogen
tarzan

in unserm dorf da lebt ein hahn
den nennen wir den dorftarzan
frühmorgens müht er sich schon recht
doch tarzans schrei gelingt ihm schlecht

es klingt als wär sein kehlkopf heiser
erst krächzend laut dann immer leiser
wie von lianen stranguliert
sein tarzanschrei ist nicht versiert

doch auch er selbst erkennt den makel
das ist ja unser dorfdebakel
er wiederholt so stundenlang
und kläglich diesen abgesang

ich glaube es wär besser so
ein gang zum nächsten hno
wir jedenfalls sitzen im bett
frühmorgens aufrecht gar nicht nett
wir hätten lieber stille gern
und sähen tarzan lieber fern
sonnennixen

an sonnentagen tricksen
etliche wassernixen
baden salopp
in der sonne so als ob
es sich da um wasser handelt
wie die sonne doch verwandelt



versteckspiel

an manchen küsten
kühne listen
krebse in muscheln
sie wollen nur kuscheln
gib mir einen kuss

gib mir einen kuss
der bis zum abend hält
wenn die sonne versinkt
in der untergangswelt

gib mir einen kuss
der den tag überdauert
und nicht nur nach
dem nächsten lauert

gib mir einen kuss
und dann in der nacht
noch einen was
hast du denn gedacht
wenn du was vermisst

wenn du was vermisst
und unglücklich bist
das haar in der suppe
die lieblingspuppe

das lächeln am morgen
ein tag ohne sorgen
das heft in der hand
vertrauen als pfand

die äpfel gereift
die liebe umschweift
berührung empfindlich
die freude fast kindlich

den tag zum erneuern
sehnsucht zu befeuern
die ehrliche haut
laute nicht laut

vermisst du das sehr
und wünscht es dir her
dann sag mir warum
ich kümmer mich drum
du bist

du bist für mein gefühl die offenbarung
du bist die hand auf meinem nackten bauch
du bist die reifste frucht am baum der paarung
und wie du bist und ich empfinde bin ich auch

du bist das braun von deinen dunklen augen
du bist das schwarz von deinem lockenhaar
an diesen gipfeln deiner brüste möcht ich saugen
du bist das stöhnen das bis eben kichern war

du bist verlockung deiner vollen lippen
du bist einmalig die umrundung wie dein süßer po
du bist die zähe zartheit deiner rippen
und die verwundung spiele ich darunter so

du bist der blick der mehr tut als versteht
du bist erklärung deiner eigenen und andern welt
du bist gedanke der so gut ist wies mir geht
du bist die antwort auf die frage ungestellt
im urlaub

im urlaub bin ich ausgerenkt
vom kopf bis zu dem zeh
die glieder schlenkern neu geschenkt
es fehlt geheimes weh

probier an neuen stellen aus
wie ich sie halten kann
bin ich alsbald wieder zuhaus
kommen die alten dran



die hochspringer

ein fräulein strebt gern nach niveau
dem hochspringer gehts ebenso
weshalb sie ihn dann ehelicht
doch sein niveau erreicht sie nicht



erde & meer

die erde liebte das meer
schon sehr
zusammen kamen sie dennoch nie
weil die erde dem meer nicht verzieh

dass es sie einmal verhöhnte
nicht flüssig genug bist du stöhnte
die Liebe endet auch in konsequenz
wegen mangelnder konsistenz
zeitungsbericht

bushido ist den lappen los
ja wie macht er denn das bloß
fährt mit hundertachtzig sachen
nun muss er den i-test machen
glaubt er - das wäre fatal
in flensburg zählt die höchstpunktzahl



frühstücks-app

frühstück gibts jetzt auch als app
denkst du etwa das ist nepp
nein das ist ein unterschied
na dann guten app etit



schuster bleib

schuster bleib bei deinen leisten
sagt frau schuster ihrem mann
denn er wagte zu erdreisten
sich und fasste sie dort an
ich träum mich in ein blau

ich träum mich in ein blau
und weiß dass ichs nicht habe
ich weiß das sehr genau
doch träumen ist die gabe
was nicht ist im handumdrehen
den auftrag erteilen zu entstehen


sitzmöbel

du hast mich eingesessen
ich war dir angemessen
sitzmöbel für die zeit
der einsamzweisamkeit
farbenmeer

weites meer
der blick kann träumen
von den kronen und
den schäumen

segelboote
unerreicht
setzen segel
welches bleicht

alles unerhört
voll farben
woran andre
tage darben

möwenkiekser
zwischenschrei
vieles ist heut
einerlei



den ersten stein

der erste trifft nicht
der zweite wird pflicht
auch der geht daneben
so ist das eben

der dritte im flug
trifft nicht genug
den falschen auch noch
unschuldig doch

den vierten verwarf
ich weg in die höhe
empfindlich er traf
meinen kopf und die zehe
beobachtung in der aue

das vieh leckt zufrieden sein maul
das grün ist aufgefrischt
lange wurde kuh und gaul
nichts dergleichen aufgetischt

die blüten riechen wie frisch lackiert
nur hängt kein schild das warnt
die spinnen haben es schnell kapiert
vor dieser kulisse ist leicht umgarnt

sie knüpfen schlingen sie beißen zu
das kommt ihrer gier zugute
andere spielen da blindekuh
der hengst schielt nach der stute



übersee

ich wandere aus
nach übersee
denke ich und überseh
alltag wird überall draus
gutes gefühl

der tag scheint hell
blick in die luft
augen zwinkern
aus ihrer kluft

sehen neue
dinge entstehen
heut wird die welt
nicht untergehen



dunkle muster

e
s wird duster
die welt zur wand
nur dunkle muster
in überhand

der himmel geschwärzt
wie von rauchschwaden
wenig beherzt
fliehen die waden

bevor es kracht
und regen schlägt
auf alles nieder
was sich bewegt
die haut des tages

der tag legt seine alte
haut ab ich verwalte
die hinterlassenschaften
das heute zu verkraften

ich male worte auf papier
das eben noch ein baum war hier
die haut des tages ich beschrifte
die dosis die ich täglich stifte



die welt das sind birnen

das licht geht weg ist das traurig
das vor uns alles verschwindet
vielleicht auch ein bisschen schaurig
dass diese welt sich entwindet

dabei hatten wir sie im griff
verleihen ihr den letzten schliff
doch wenn der abend es will
werden wir ganz schnell still

ganz schwarz ist es draußen wir suchen
die welt und den sinn und verfluchen
die sonne dass sich alles dreht
bis einer zu bette geht

wir schalen uns ein in kissen
und wollen von nichts mehr was wissen
was los ist hinter den stirnen
sind äpfel die welt das sind birnen
mein letzer wagen

mein letzter wagen wird ein kombi sein
denn eines muss er erfüllen
ich passe liegend hinein
gegen meinen willen

doch der zählt dann nicht mehr
ich fahre hin und nicht her
ich lass mich auf händen tragen
und steig nicht mehr aus dem wagen



du gehst

du gehst mir unter die haut
da wo die liebe sitzt
wo das herz pocht und
manchmal ums leben schwitzt

du gehst mir zur hand
wo die lüste entstehen
wo liebe und leid
aneinander vergehen
netzwerk

der seiltänzer hängt in den seilen
die sanitäter beeilen
sich von ihm noch etwas zu retten
sie schaffen es wollen wir wetten

der seiltänzer schien zu versagen
vom letzten stündlein fast erschlagen
doch tat er einfach nur als ob
und fiel in das netz recht salopp



treiben

die grillen zirpen
der mond ist voll
über den feldern
landschaft im soll

ein paar kilometer
weiter weg
erleuchtet die stadt
übertüncht dreck

augen funkeln
dort wie reklame
gib deine nummer
wie ist dein name

zurück daheim
zirpen die grillen
reißverschlussreißen
lautstark im stillen
der alltag

der alltag ist der name sagt
es einer den man nicht sehr mag
denn er ist ständig überall
und macht das leben leicht zur qual

mit seiner art sich einzumischen
sattsam bekanntes aufzutischen
und nicht nach neuerungen fragen
das kann ein alltag nicht vertragen

das ist die art ihn abzuschütteln
man muss an seinem alltag rütteln
kann damit vielleicht früchte ernten
die alltage heimlich entfernten



vorübergang

alles was vorüber geht
bleibt nicht weil es ja sonst steht
um uns steht es also schlecht
dem vorübergehen ists recht



bleib ende

bleibendes ist nicht von dauer
dennoch liegen auf der lauer
wir und sagen halt doch bleib
ist das unser zeitvertreib
aufenthalt

der aufenthalt
ist ganz schnell alt
man spürt schnell mit der zeit
die aufenthaltsamkeit



vergehen

das vergehen ist das größte
vergehen das ich je entblößte
mit der zeit die ich starte
und auf das ewigkeiten warte

doch das warten mit der zeit
kommt mir vor wie ewigkeit
dass ich wünsche ein vergehen
mache sie schnell ungeschehen



touristen

der vorübergehende
trifft das bleibende
das vorübergehen
bleibt
parade

die wolken haben sich uniformiert
weiß sind sie angezogen
in strammem schritt entlang marschiert
kommen sie angeflogen

der dicke ist der general
hat sich hübsch aufgeplustert
dahinter dünn und blass und fahl
rekruten grad gemustert

kanonen haben sie auch dabei
das sind die langen dinger
und biegsam sind sie oweih oweih
das sind nicht gerade bezwinger

und seht doch mal der general
er wird auf einmal schmal
da sieht man schwarze heere ziehn
es riecht nach krieg und infanterien
und er er macht sich dünn
meeresidylle

ich war am meer die wellen rauschten
und warfen sich hin und her
als ob sie meinen besuch aufbauschten
jedenfalls vermutete ich das sehr

dann brummte ein fischerbötchen vorbei
dahinter segler schnitten
lautlos geriffelres blau entzwei
und möwen im auf und ab ritten

sie schrien auch und ließen sich tragen
vom wind der die fahnen bestrich
ich kann es gar nicht mehr richtig sagen
wann ich der idylle entwich

ich hab mich später nur eines gefragt
ob ich zur idylle gehörte
durch mich entstand sie hab ich mir gesagt
ich glaube nicht dass ich sie störte
feierabend

ich seh eine ameise flitzen
entlang der plattenritzen
eine rollade ratscht
nach unten bis es klatscht

ein nachbar schottet sich ab
die sonne ist noch nicht landunter
grad dieser moment den ich hab
macht mich glücklich und munter

am abend ist einkehr was immer
dieses und jenes bedeutet
irgendwer dreht den dimmer
dass sich der tag neu häutet



übersetzen

wenn die übersetzer üben
überall hüben wie drüben
wie im falle eines flusses
bestenfalls auch trockenen fußes
man am besten übersetzt
atemlos nicht und gehetzt
diesen fluss einfach mit fähre
übersetz ich wenns so wäre
los

kaufen sie anspruchslose
sie haben dann zwar keinerlei
anspruch aber das wollen
sie doch und für
die sieglosen haben
wir sieglose das
ist besser als gar nichts



nachsehen

ich sehe nach
der zukunft
ich sehe ihr nach
dass sie noch nicht da ist


wendeltreppe

ich dreh mich im kreise
geh die wendeltreppe rauf
sie verbindet unten mit oben
immerhin es
geht aufwärts
schwarz weiß

die welt ist nicht
nur schwarz weiß
ausnahmen sind
manche kühe



weltuntergang

liebe anteilseigner
wir sind beteiligt am weltuntergang
wissen nur noch nicht genau wann
der eintritt darauf sollten
wir uns schnellstens einigen denn
wie bei jedweder art von kooperation
gilt es auch hier an einem
strang zu ziehen damit
keine unerwünschten
nebenwirkungen eintreten
sonst müssen wir wieder
unseren arzt oder apotheker fragen ob
überleben möglich ist und das
wollen wir doch ausschließen oder
tragende teile

der herbst trägt uns
die letzten sommerreste hinterher
wir blinzeln die bäume an
die zum schein sich entblättern



unsagbar blau

es ist ein stück der luft
gemalt noch nicht als bild
die hülle schicht und duft
der in die nase zielt

ein stück vom himmel reich
versprechen übervoll
etagenhoher teich
der bläulich überquoll

ein stück wie edelstein
azur wieviel karat
so unnahbar und rein
geschliffen akkurat

ein stück und nur zum sehen
und sich vielleicht vertiefen
und hoffen zu verstehen
dass farben sich verliefen
nur worte

den stich ins herz
versetzt du mir
ich fasse mich
an die brust

ich habe nichts
in den händen
sagst du



schweigemauer

bauen wir eine mauer
zwischen uns
erzählen nicht mehr
von einander sondern
darüber
rätseln was sich
im verborgenen tut
bauen höher bis wir
uns nicht mehr sehen
mutmaßen
auf demselben grund
abgründe jenseits
der mauer
vermessen

es kommt mir alles so selbstverständlich vor
so normal so maßgeblich
wie ich aus der wäsche gucke
wie meine nase riecht
wie meine ohren hören
und meine zunge schmeckt
alles feste größen  das fühlen meiner hände kann ich
mir gar nicht anders vorstellen
undenkbar dass sich das ändert
andere es nicht genauso empfinden
undenkbar dass
ich nur in einer hülle stecke
an die ich mich gewöhnte

da seh ich einen mann
er hat eine andere hautfarbe
er hat eine riesengroße nase
und kleine ohren
grad fasst er sich an die nase
und er wird genauso denken wie ich
einfall

ein einfall ist ein fall
der nicht so einfach ist
ihn gibts nicht überall
schnell dass man ihn vergisst

ein einfall der fällt ein
wie hunnen und normannen
lässt einfallstore sein
und zieht wieder von dannen

er reißt die mauern nieder
gibt neue blicke frei
mit ihm erkennst du wieder
wie was wohl besser sei

er hilft beim formulieren
er leitet dich zur list
nur ihn herbeizitieren
kannst du ihn nicht per frist

einfälle sind ein fach
das kannst du schlecht erlernen
sie machen vor machs nach
als nächstes kommt entfernen
casting

den vögeln gehört der morgen
ihr zwitschern erhält die ohren
wie sonnenkristall augen
warmsänger des tages
verabschiedungen sehen
anders aus



abendschliff

die silhouetten geschliffen
von wolken weiße fahnen
wehen darüber
das rosa licht des abends
entbindet die schatten sagte
ich schon was von bergen sie rücken
näher lupenrein versammeln
sich wie freunde
schattengitter

die gier der schatten der gitter
nimmt mit dem abend zu
sie wollen alle erreichen auch
die unbescholtenen belangen
mit ihren fingern welche
die sonne stählt sie kriechen
auf allen vieren zuletzt und betteln
um einen mond das dunkel
schließt dann alle ein



abfedern

das blatt unbeschrieben
spürt die tritte
adern knicken
federn notieren
das ende
vorboten an silvester

von draußen ein dumpfes böllern
von feuerwerkskörpern versteckt
und drinnen ein liedchen zum trällern
das mit rein gar nichts aneckt

die kündigung liegt auf dem tisch
das alte jahr ist gelaufen
das neue kommt daher ganz frisch
was können wir uns davon kaufen



kategorisch

wieviel lyrik darfs denn sein
heute unterm mondenschein
abgehangen und recht mager
oder fett wie nachbars schwager
geben sie das thema vor
ich hör zu und bin ganz ohr
vielleicht versmaß auch und größe
und benennen sie verstöße
doch da fällt mir ein ach was
schreiben sie doch diesen spaß
der grund

die steine liegen
im klaren wasser
das hat seinen grund

alles verschwamm
als sie sanken
und aufwühlten
was sie auffing

zeitweise war
nicht mehr zu sehen
der grund



belagerung

krumm gebogen
wie galgen
leuchtenden haupts
stehn die laternen spalier
säumen den weg
beugen sich
darüber
auch vom flugzeug
aus sichtbar
wie perlenschnüre

manchmal nachts
reiht der mond sich ein
waschung

die luft ist schmutzig
komm lass sie uns waschen
öffne das fenster
es regnet


wie wir früher

weißt du wie wir früher
abends schnell zum baden gingen
spielte die platte
nachdem wir gerade
vom baden kamen
früher weißt du


seezunge

leckt in die bucht
himmelblau zwinkert
ein steinwurf im see
meeresprise

dein körper in salzlake
gebadet nackt
zubereitung
für meine zunge

ich schmecke
krebstiere steine
und muscheln
doraden auch
und tintenfisch
was dich umschwamm
wie meine finger

ich schlürfe die auster
immer wieder
entdecke darin
perlen von glück



wunderbar vereinbar

ich streichele
dein hohes bein

es grenzt
an ein wunder das

ich auch noch
berühre
setzten lassen

setz dich still in eine ecke
lass dich vom verkehr umbrausen
und das alles nur zum zwecke
krieg aus deinem kopf die flausen

sieh die menschen wie sie suchen
eingangstüren knopf berührung
und sich bücken dabei fluchen
fehlt es an kontakt verführung

frag dagegen wer du bist
was du hast und was du magst
was du lieber ganz vergisst
wie du gern am tage tagst



andere

andere fliegen weg
tun ihr leichtes
und ihr gepäck
ein trolley erreichtes

sorgen sehen anders aus
in ihrem innerem klebt
nicht die furcht vorm garaus
die über allem schwebt

wie fühlt es sich an wohl
über die runden zu kommen
aufs geradewohl
nicht gefährlich verschwommen
taste next

die zeit geht über leichen
es ist zum herzerweichen
weiter im text
ich drücke die taste next 

hätte ich das nicht geschrieben
was wäre von mir geblieben
wenn nicht dieser rest
überleben zulässt



von überresten

flammen im baum
loderndes blatt
jahreszeitraum
sehnsüchte satt

krähen krächzen
flug über felder
darunter ächzen
menschen selber

wie sich nun sammeln
flammen von ästen
und nicht nur stammeln
von überresten
einander

ein ums
andere mal
ist einer ein
andrer
kopf und
zahl



fast hysterisch

das kreischen der vögel
um den kirschbaum
schleicht die katze
erntet fallendes
obst im fluge
schnappt sich
die elster
suchende

bin ich ein suchender
weiter in mir
sag ich nach außen
hab alles hier

mal meinem kind aus
alles ist gut
doch wo es fehlt
fehlt mir der mut

hab nur ein bisschen
hätte gern viel
möchte viel erleben noch
das ist mein ziel

muss immer mehr doch
wünsche auch lassen
und das leben nicht
dafür hassen

probiere weiter
dies und das aus
bleibe heiter
vielleicht wird was draus
um wege

der weg ist weg
was mach ich nun
was soll ich ohne
ihn denn tun

der weg ist weg
was soll geschehen
wie soll ich jetzt
denn weitergehen

der weg ist weg
was wird passieren
wer soll das denn
noch kapieren

der weg ist weg
wo soll ich bleiben
woanders mir
die zeit vertreiben

der weg ist weg
ich geh herum
und das ist auch
ein weg darum
verlässlich

wir verlassen
uns
auf uns
um nicht verlassen
zu sein



die kleinigkeiten

komm wir sehen uns
den mond an
der kostet nichts
verlangt keine
ansichtsgebühr

komm wir betrachten
die blumen sie trachten
nicht nach unserm geld
ihre schönheit ist frei

komm wir laufen
durch wald und wiesen
die verlangen nichts dafür

komm wir beschränken uns
auf die kleinen dinge
die es so gibt
mehr können wir uns
sowieso nicht leisten
als am ufer zu sitzen
die boote schwimmen
zu lassen mit unserem
blick
abendlied

in der halle des abends
klingen die vögel so hell
ende des täglichen darbens
zeit für ein hoffnungsgestell

wieder aufgerichtet
wünsche die nicht mehr erfüllt
sind aber nicht vernichtet
werden nur neu enthüllt

auf dem tagesdiener
hängt die garderobe
und im dunkeln schien er
sie anzuziehen zur probe
halb so wild

die hälfte des lebens ist hoffen
als wär das ende offen
die andere hälfte ist tun
bis das ende befiehlt ruhen



nicht verzweifeln

nein ich bin nicht verzweifelt
ich denk nur an die nächsten schritte
bis zur grabesmitte
die erde ist angehäufelt



das ganze leben

das ganze leben
bleibt das leben nicht ganz
da beißt sich die katze eben
manchmal In den schwanz
ansprechpartner

die dinge geben widerworte
das ist ihr tieferer sinn
darum begeb ich mich an orte
wo ich ihr ansprechpartner bin



birkenblatt

silbern grün silbern grün silbern grün
die kleinen birkenblättchen wechseln ihre farben zittern
unentschieden halten sie im wind die wimpel
darin nun kein rückgrat zu wittern
scheint mir angesichts des starken stamms zu simpel
birkenblättchen sind wie kinderhände anzusehen
wechseln ihre farben silbern grün



stell dich

s
tell dir vor
mich
ach nein es heißt doch
stell dich
vor
mich kenn schon ich
die haut des zanders

das land liegt unter schichten
von himmeln wie grauwacke
darunter darüber dichten
au backe

der raubvogel stürzt ein
das revier der hasen
kann aber auch sein
er wird es lassen

einöde ist anders
hier kämpfen ums überleben
im bach die haut des zanders
glänzt nicht nur dem reiher daneben



unruhe

pappeln aufgereiht
wie säulenheilige
bewachen das flussufer
ein habicht steigt auf
mit argusaugen
die beute weiß
von nichts
ein windstoß glättet
die unruhe
für einen moment
schlecht wieder gut machen

etwas schlecht machen
ist leichter als
etwas gut machen

manche nehmen es zu
leicht und müssen dann alles
wieder gut machen



kostenloser tag

die fahrkarte gilt noch
brot ist noch da
butter und käse
das koste ich
mehr nicht

lass uns abends
spazierengehen
um die felder ziehen
statt um häuser

dann sinken wir zu bett
vielleicht nicht minder erfüllt
von allem heute
nur immer geht
das nicht
am fluss

morgennebel  grauer star
wasserstraße dunstig nah
frachter tief geladen gleiten
werfen wellen kursgezeiten
schiffsdiesel ins mark getrieben
bootsverbände die sich schieben
wasser ungerührt zerschnitten
und wieder in eins geglitten
fließt verquirlt beruhigt flussab
jogger halten sich auf trab
hund grüßt wedelnd gast an bord
radler fahren schleiern fort
gegenüber ufer lockt
von morgensonne leicht beflockt

eins und

wir sind eins
wir zwei
nichts soll uns
trennen
außer dieses
und

 

von unten

o ben c Nah
ach No ben
aNno bech
enNo bach
noch Nabe
abc heNno
None bach
e Non bach
caN bohne
Nacho ben

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